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Zeitlich eigenständig werden

Zeitlich eigenständig werden

BOTSCHAFT VON DER GEBIETSFÜHRERSCHAFT

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Elder Timothy J. Dyches, USA

Zweiter Ratgeber in der Präsidentschaft des Gebiets Europa

Jedes Jahr im Frühling dürfen wir Ostern feiern, wenn auf der nördlichen Erdhalbkugel der Winter seinen eisigen Griff gelockert hat und die ersten linden Lüfte wehen. Es ist eine Zeit der Wiedergeburt; überall erwacht das Leben von Neuem.

Und wieder einmal rufen wir Sie auf, geistig und zeitlich eigenständig zu werden. Geistige und zeitliche Eigenständigkeit gehören zum Evangelium Jesu Christi untrennbar dazu.

„Eigenständigkeit ist die Fähigkeit, die Entschlossenheit und das Bemühen, sich selbst und seine Familie in geistiger und zeitlicher Hinsicht mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen. Wenn die Mitglieder eigenständig werden, sind sie auch besser in der Lage, sich um ihre Mitmenschen zu kümmern.

Die Mitglieder der Kirche sind für ihr geistiges und zeitliches Wohlergehen selbst verantwortlich. Da sie mit der Gabe der Entscheidungsfreiheit ausgestattet sind, können und müssen sie ihren Weg selbst festlegen, ihre Probleme selbst lösen und danach streben, eigenständig zu werden. Das tun sie mit der Führung des Herrn und mit ihrer eigenen Hände Arbeit.“1

Wie kann man nun zeitlich eigenständig werden?

Wie kann man nun zeitlich eigenständig werden?

  • Erkennen, wie wertvoll und segensreich Arbeit ist

„Bedenken wir: Arbeiten zu dürfen ist ein Geschenk, arbeiten zu können ein Segen und seine Arbeit zu lieben ein Erfolg.“2

Arbeit hat in unserem Leben einen entscheidenden Wert. Durch sie lernen wir Lektionen, die uns dauerhaft Glück und Wachstum bescheren. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, wo alles auf dem Grundsatz Arbeit beruhte – ob beim Umgraben und Pflügen des Bodens für die Saat bis hin zur Aussaat selbst, beim täglichen Gießen und Unkrautjäten die ganze Wachstumsperiode hindurch oder beim Ernten und Einlagern als Konserve oder Tiefkühlkost. Und ich spreche hier bloß vom Sommer.

Meine Eltern arbeiteten stets treu an unserer Seite, gaben uns Zuversicht und erklärten uns alles. Nie haben sie von uns etwas verlangt, wozu sie selbst nicht bereit waren. Zu den Segnungen der Zusammenarbeit mit der Familie gehörte, dass der schöpferische Aufwand und eine gut erledigte Arbeit Spaß machten. Wir erwarben eine Reihe nützlicher Fertigkeiten für damals und für die Zukunft, taten anderen etwas Gutes, erkannten, was bei der Arbeit erwartet wird und was Leistung ist, und lernten Selbstdisziplin.

  • Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen

In den Jahren, bevor wir in den Kindergarten kamen, wurde von uns erwartet, dass wir lernen, uns die Schuhe zuzubinden und von einem Zifferblatt die Zeit abzulesen, dass wir unsere Anschrift und Telefonnummer auswendig lernen und dass wir üben, allein in die Schule zu gehen. Die ganze Schulzeit hindurch wurden wir angehalten, unser Bestes zu geben, und unsere Eltern achteten stets darauf, dass wir unser Potenzial verwirklichten. Eigentlich lernen wir ja das ganze Leben lang.

  • Der Glaube geht dem Wunder voraus

„Sicherlich hilft uns der Herr, wenn wir uns in Zeiten der Not an ihn wenden, besonders wenn wir uns seinem Werk verpflichtet haben und seinem Willen entsprechen. Aber er hilft nur denen, die bereit sind, sich selbst zu helfen. Er erwartet von seinen Kindern, dass sie so selbständig sind, wie sie nur sein können.“3

Eine Frau, die vor kurzem einen Kurs zur Eigenständigkeit abgeschlossen hat, beschreibt folgendermaßen, wie sie Glauben ausgeübt und gehandelt hat:

„Ich fing an, alles umzusetzen, was man mir beigebracht hatte. Ich teilte auch meine Zeit vernünftig ein. Jetzt habe ich das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein und Sachen machen zu können, die mir früher unvorstellbar waren.

Jedes Mal, wenn ich die heiligen Schriften lese, bete ich aus tiefstem Herzen. Ich weiß, dass ich meinem Vater im Himmel wichtig bin. Ich habe Sachen erlebt, die ich mir nie hätte träumen lassen. Es war unglaublich – als ob jemand meine Schritte bei der Arbeitsplatzsuche lenken würde. Ich hatte keinerlei Sprachprobleme.

Als ich mich einer Frau vorstellte, die ein Kindermädchen für ihre Tochter suchte, war ich kaum zur Tür hereingekommen, da umarmte mich die Kleine schon und küsste mich ab. Das ganze Gespräch lang wich sie nicht von meiner Seite, und so bekam ich die Stelle. Der Mann hilft uns jetzt, eine Arbeit für meinen Sohn zu finden.

Seither hat uns auch noch jemand anders Arbeit angeboten. Eine Schwester aus der Gemeinde hat mir geholfen, eine Wohnung zu finden. Zum ersten Mal in meinem Leben mache ich Sachen, die mir vorher unmöglich waren.“4

Wenn wir zeitlich eigenständig werden wollen, halten wir uns auch gesund. Wir treiben regelmäßig Sport, ernähren uns vernünftig und achten auf Körperpflege. Wir bleiben im Rahmen unserer Möglichkeiten, sind sparsam und machen möglichst keine Schulden. Wer eigenständig ist, der fastet auch und spendet mit Freuden ein großzügiges Fastopfer.

Der Weg zur Vollkommenheit erfordert, dass man das Evangelium jeden einzelnen Tag lebt. Beim Streben nach zeitlicher Eigenständigkeit sind folglich sämtliche Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi zu beherzigen. Mögen wir dies in den kommenden Monaten und Jahren alle tun. Das ist meine Bitte.

Anmerkungen

2. David O. McKay, Pathways to Happiness, 1957, Seite 381

3. L. Tom Perry, „Selbständigkeit“, Der Stern, Januar 1992, Seite 60

4. Siehe auch LuB 60:13; LuB 130:20,21