David Michels ist der neue Bischof der Gemeinde Wetzikon

    v.l.n.r., Werner Obrist, Rocco Maglio, David Michels, Christian Bolt, Thomas Ottiker, Guido Uchtdorf
    v.l.n.r., Werner Obrist, Rocco Maglio, David Michels, Christian Bolt, Thomas Ottiker, Guido Uchtdorf

    Nach 6 Jahren wurde der bisherige Bischof Sandro Kriesch mit seinen Ratgebern Peter Locher und David Michels von Pfahlpräsident Christian Bolt mit grossem Dank für die geleistete Arbeit entlassen. David Michels tritt nun in die Fussstapfen von Sandro Kriesch, dem er als Ratgeber gedient hat. Die neuen Ratgeber sind Rocco Maglio und Werner Obrist. David Michels kommt ursprünglich aus Kalifornien/USA. Er ist mit Nancy verheiratet und die beiden haben Kinder im Alter von 19, 14, 12 und 10 Jahren. Beruflich ist David Unternehmensberater für ein global tätiges Unternehmen und hat dadurch in vielen Ländern gewohnt. Mittlerweile ist er seit 11 Jahren in der Schweiz und freut sich darauf bald Schweizer zu werden. Zu seinen Hobbies gehören Musik (er spielt Schlagzeug), Filme schauen, Rugby und Politik.

    Links Sandro Kriesch und rechts David Michels
    Links Sandro Kriesch und rechts David Michels

    Oliver interviewte den entlassenen Bischof Sandro Kriesch und den neuen David Michels.

    Oliver: Sandro, Du hast 6 Jahre als Bischof gedient, wie ist Deine Amtszeit verlaufen?

    Sandro: Der Beginn war nicht ganz einfach. Es war eine Kombination aus Unsicherheit und Gehorsam. Die Tragweite der Berufung erkannte ich erst in den Aufgaben, für die ich verantwortlich war. Ich hatte in Priesterschaftsklassen und in Anekdoten davon gehört. Jetzt stand ich einer Gemeinde vor. Das Gefühl, nicht genügen, tauchte in den ersten Monaten immer wieder auf. Ein Bischof wird nicht durch spezielle Schulungen auf diese Berufung vorbereitet.  Ich trat anfänglich oft ins Fettnäpfchen und musste mit unangenehmen Peinlichkeiten fertig werden. Das Studium der Handbücher gaben mir den formellen Weg vor. Das Gehen des geistigen Weges war ein Prozess über Monate und Jahre. Die Gemeinde Wetzikon war mir während der gesamten Amtszeit wohlgesinnt. Zu Beginn empfand ich jede Frage oder den Wunsch zu einem Gespräch als Herausforderung. Gerne verschob ich solche Termine auf den nächsten Sonntag, um mich darauf vorzubereiten. Mit der Zeit konnte ich Gespräche spontan führen. Die Mitglieder gaben mir Zeit das Amt zu erlernen und Erfahrung zu sammeln. Der Bischof und die Gemeinde bilden eine Symbiose, beide brauchen einander. Gegen Ende dieser sechs Jahre war ich sicher entspannter und hoffentlich erfahrener.

    Oliver: Was hast Du während Deiner Zeit als Bischof alles gelernt?

    Sandro: Ich fühlte mich trotz meinen Fehlern vom Herrn akzeptiert. Ich wurde immer wieder daran erinnert, nicht vollkommen sein zu müssen. Demut und Dankbarkeit zähle ich zu den wichtigsten Punkten des Erlernten. In den vielen Gesprächen habe ich das Bedürfnis der täglichen Umkehr und den Anspruch auf das Sühnopfer gespürt. Vergebungsbereitschaft im Sinne des Herrn ist ein Wesensmerkmal jedes Christen. Vertrauen und Verschwiegenheit sind Schlüsseleigenschaften des Bischofs, die es hochzuhalten gilt. Ich empfand dies einerseits als heilige Pflicht, aber auch als Herausforderung. Manchmal wäre es angenehm gewesen eine Meinung einzuholen und so Entscheidungen einfacher treffen zu können. Eine weitere Erkenntnis, die ich gewann: das Gebet mit dem Vater im Himmel bildet den Kern zum Fortschritt des Bischofs.

    Oliver: Was waren Deine Highlights?

    Sandro: Die vielen Gespräche mit den Jugendlichen waren wunderbar. Jugendliche begleiten zu dürfen, ihnen auf ihrem Weg auf eine Mission beizustehen, sind unvergesslich. Ich erinnere mich gerne an die Sommeraktivitäten der Bischofschaft mit den JM/JD, zum Beispiel an das Riverraften und die Nacht zuvor auf dem Campingplatz. Aber auch die vielen Situationen, in denen mir meine Frau die Arbeit leicht machte und mich geistig aufbaute, waren sehr erbauend. Ich bin sicher, geistigen Fortschritt gemacht zu haben. Ich schätzte die Gelegenheit an Schulungen zu gehen, an denen auch die Bischofskollegen teilnahmen. Dort fühlte ich mich besonders wohl. Es war jedes Mal eine Genugtuung, in Herausforderungen nicht allein zu sein, denn die Kollegen hatten gleiche oder ähnliche Probleme.

    Ein Highlight war auch der zweimalige Besuch von Präsident Dieter F. Uchtdorf, Ratgeber des Profeten, in der Gemeinde Wetzikon. Beim ersten Mal hatte ich es aus Versehen verpasst, mich bei seinem Eintreten zu erheben, und so blieb die ganze Gemeinde auf den Stühlen sitzen.

    Als abschliessendes Highlight möchte ich erwähnen, dass ich in diesen sechs Jahren jedes Mitglied lieben gelernt habe. Ich lernte, dass die Fähigkeit echt zu lieben mit der Erfahrung im Leben kommt.

    Oliver: David, Du bist der neue Bischof von Wetzikon. Was sind Deine Ziele, Hoffnungen und Wünsche für die Gemeinde Wetzikon?

    David: Erstens möchte ich, dass sich hier alle willkommen fühlen, unabhängig von Ihrem Hintergrund, Ihren Überzeugungen – Ich will, dass sich alle akzeptiert, unterstützt und betreut fühlen, Mitglieder und Besucher gleichermassen. Jeden Sonntagmorgen um 9:45 Uhr stehen unsere Türen für alle offen.

    Zweitens haben wir eine grosse Anzahl junger Männer und Frauen in unserer Gemeinde. Es ist meine persönliche Priorität, sie so gut wie möglich zu unterstützen. Es ist eine schwierige Zeit, in der sie viele wichtige Entscheidungen treffen, die die Richtung für ihr Leben vorgeben.

    Drittens möchte ich die Menschen dazu inspirieren, ihren „nächsten Schritt“ in Richtung Christus zu machen, wie gross oder klein er auch sein mag und unabhängig wo auch immer ihr Ausgangspunkt sein mag. Wir laden alle ein, zu Christus zu kommen. Wenn sie dies tun, werden sie in ihrem Leben mehr Liebe, Absicht und Frieden spüren.

    Oliver: Wie organisierst Du neu Dein Leben mit dieser neuen Aufgabe, sprich Beruf, Familie, Bischofsamt. Und wo sind Deine Kraftquellen?

    David: Es ist wahr, dass es viel zu balancieren gibt, aber es ist eine Frage der Priorität und was Energie gibt. Ich glaube, es ist wichtig, dass meine Familie im Mittelpunkt steht, weiter, dass ich mich um meine persönliche Beziehung zu Gott kümmern kann und darauf, anderen zu helfen. Wenn sie stark, geistig und körperlich gesund sind, werden sie in allen anderen Aspekten ihres Lebens wirkungsvoller sein, in Ihrem Beruf und in ihrer Gemeinde. Das ist es, was mir Energie gibt und was auch das Leben anderer Menschen verändert.